Der Titan geht
Verfasst: Di 10. Jun 2008, 17:19
Ich habe diesen Text mal im TM.de Forum gelesen und fand ihn so schön das ich ihn hier nochmal posten werde!
DANKE OLI KAHN für viele unvergessliche Jahre...
Viel Glück und Erfolg für die Zukunft...
Hmmm…ist es tatsächlich schon ein Jahr her? Ein Jahr? Vor einem Jahr saß ich auf dem gleichen Stuhl, na, fast schon Sessel, vorm gleichen PC, sogar vorm selben PC und schrieb über einen Spieler, der seine Karriere beenden würde in wenigen Stunden.
Damals Mehmet, heute Olli. Beide aus Karlsruhe, beides Legenden meines Vereins. Und doch unterschiedlicher als Tag und Nacht.
Im letzten Jahr konnte man sich an all die lustigen Sprüche, die Verletzungen, die Aufs und Abs erinnern, dieser ständige Wechsel zwischen Genie und Wahnsinn. So war Mehmet.
Doch wie ist, wie war Olli? Was wird bleiben? „Eier“, „Bananen“, „immer weiter“, „Titan“?
Wenn heute in wenigen Stunden die Karriere vom besten deutschen Torhüter der letzten 25 Jahre sich dem Ende neigt, endet endgültig eine Epoche für die Bayern. Vergesst Effe, vergesst Elber, vergesst Liza, Mehmet und Olli prägten das Gesicht der Münchner in den vergangenen 15 Jahren. Während der eine der spielerische, der leichte, das Genie war, von der Talent-Muse mehrfach geküsst, hat der andere, der Kämpfer, der harte Arbeiter wie wohl kein zweiter Spieler bewiesen, was mit Arbeit, mit Einstellung, mit Herz möglich ist.
Da ich keine Lust auf die Diskussion habe, ob Kahn, Scholl oder Kohler jetzt der erfolgreichste Spieler der letzten 20 Jahre war, sage ich einfach: Kahn prägte den deutschen Fußball in den letzten 20 Jahren wie kein Zweiter. Keiner war auf dem Platz und neben dem Platz präsenter oder wichtiger wie Olli.
Sicherlich, seit Lothar Matthäus gab es wohl auch keinen Spieler, der so kritisch betrachtet wurde wie Kahn. Zu Recht, naiv und blind wäre ich, wenn ich sagen würde, er wäre fehlerfrei gewesen. Herzog, Herrlich, Brdaric, Klose, Larsen, Chapuisat, alles Momente, die es einem schwerer machten, ihn zu lieben. Und trotzdem tat ich es. Und tue es.
Weil Olli Bayern lebte. Er war Bayern München und Bayern München war er.
„Weiter, immer weiter“ – ein Mantra, dass er wie kein Zweiter lebte. Wäre an einem Samstag im Mai 2001 nicht Kahn im Tor gestanden, Schalke müsste nicht 50 Jahre Abstinenz von der Meisterschaft feiern. Wäre nicht an einem Mittwoch im Mai 2001 nicht Kahn im Tor gestanden, die Bayern-Fans würden noch nach 32 Jahren auf die Rückkehr an die europäische Spitze warten. Wäre bei einem Turnier im Juni 2002 nicht Kahn im Tor gestanden, es hätte keine „Es gibt nur einen Rudi Völler“-Gesänge auf dem Römer gegeben.
Als Kahn 1994 nach München kam, setze ich sehr viele Hoffnungen in ihn. Ich liebte Jean-Marie Pfaff, von daher hatte es Aumann immer schwer bei mir. Doch, er war ein toller Torwart, aber ich wurde nie warm mit Raimond. Kahns Wechsel nach München bedeutete also für mich, dass der ungeliebte Torwart weg ging. Schon mal ein Pluspunkt. Im ersten Jahr riss ihm direkt das Kreuzband, doch schon nach sehr kurzer Zeit stand er wieder auf dem Platz. Sein Ehrgeiz wurde sein Markenzeichen, sein „Kahnsinn“ sein Merkmal. In den folgenden Jahren entwickelte er sich immer weiter, wurde besser und besser, wichtiger und wichtiger. Als aus Bayern München Hollywood wurde, hielt er sich clever aus den Machtkämpfen zwischen Loddar und Klinsi raus, dank seiner Neutralität wurde er zur wichtigen Kraft im Bayern-Kader. 1998, die WM in Frankreich stand an. Kahn, inzwischen klar die Nummer 1 in der Bundesliga, wurde nicht der TW im WM-Turnier (interessant, dass gerade ein Köpke 1998 von einem Bundestrainer profitierte, der nicht auf aktuelle Tendenzen und Entwicklungen reagierte). Doch sein Ehrgeiz wuchs. Kein Wunder, dass er in der Nach-WM-Saison eine Wahnsinnssaison hinlegte und die Bayern zu Meisterschaft und ins CL- sowie Pokalfinale führte.
Manchester wurde ein Wendepunkt in seinem Leben. Viele Spieler hätten sich von diesem Nackenschlag wohl nicht wieder erholt, er tat es. Noch stärker, noch stabiler, noch psychisch ausgereifter. Ohne Manchester wären die Ereignisse von 2001 nicht möglich gewesen. „Weiter, immer weiter“ wurde geboren.
Die Jahre 2001 und 2002 wurden die besten Jahre in seiner Karriere. Was er in diesem Zeitraum zeigte, war schlichtweg der Wahnsinn. Nie vergesse ich das entscheidende Gruppenspiel gegen Kamerun bei der WM. Schon als alle Spieler des Afrikameisters an Kahn vorbeigingen, war ich mir sicher, dass er ihnen in dem Moment einflösste „Egal was ihr anstellt, was ihr versucht, ihr werdet mir keinen rein machen. Vergesst es!“
Leider endete der Wahnsinn mit „dem Fehler von Yokohama“. Aber das machte ihn menschlich, brachte ihn mir noch mal ein Stück näher.
Nach dieser WM sank sein Stern. Ganz langsam zwar, aber man merkte ihm langsam das Alter an. Nicht, dass er immer noch Spiele allein gewinnen konnte. Nicht, dass sein Ehrgeiz die Bayern zu Erfolgen trieben. Aber häufiger auch verlor er Spiele. 2004 waren es 3 Fehler, die den Bayern 3 Titel kosteten. Aber wer bin ich, dass ich ihm das vorwerfe, ihm, der vorher jahrelang im Grunde fehlerfrei unterwegs war?
Der langsame Niedergang fand seinen Höhepunkt im Zerschlagen seines Traums – die deutsche Mannschaft in die Heim-WM zu führen. Klinsmanns Gründe waren und sind nachvollziehbar, allein der Stil war einem Oliver Kahn gegenüber unwürdig.
Doch, und wieder wuchs mein Respekt, meine Achtung vor diesem Mann, er zog sich nicht zurück. Er stand zu seinem Traum und zeigte eine menschliche Größe, die viele ihm nicht zugetraut haben.
Tja, und jetzt endet es. 14 Jahre Bayern-Geschichte. Der Torwart, der Turm, der Kopf, der Held der erfolgreichsten Bayern-Epoche seit den 70er Jahren.
Achtmal deutscher Meister. Fünfmal DFB-Pokalsieger. Weltpokalsieger. CL-Sieger. UEFA-Pokal-Sieger. Europameister. Vizeweltmeister. Zweimal Welttorhüter. Zweimal Deutschlands Fußballer des Jahres.
Mein Bauch verhindert es, dass ich mich so tief verneigen kann, wie es angebracht wäre. Vor dem Torwart. Vor dem Titan. Vor Oliver Kahn. Ich bin froh, glücklich, zufrieden, in deiner Epoche, in deiner Zeit als Spieler gelebt zu haben. Wenn in vielen Jahren Kinder in der Grundschule mich fragen, wer denn für mich der beste Torwart war, den ich je gesehen habe, wird die Antwort Oliver Kahn sein. Egal, wer kommen mag. Diese, deine Fußstapfen, so vermute ich, wird keiner ausfüllen können. Bei allen Fehlern, auf und neben dem Platz, ich werde deinen Ehrgeiz, deinen Einsatz, dein Auftreten vermissen. Du bist das Beste, was meinem Verein passieren konnte.
Bei Mehmet waren es vier Worte, bei dir sind es mehr:
DER KAHNSINN IST VORBEI...UND ICH WEINE DESWEGEN!
DANKE OLI KAHN für viele unvergessliche Jahre...
Viel Glück und Erfolg für die Zukunft...
Hmmm…ist es tatsächlich schon ein Jahr her? Ein Jahr? Vor einem Jahr saß ich auf dem gleichen Stuhl, na, fast schon Sessel, vorm gleichen PC, sogar vorm selben PC und schrieb über einen Spieler, der seine Karriere beenden würde in wenigen Stunden.
Damals Mehmet, heute Olli. Beide aus Karlsruhe, beides Legenden meines Vereins. Und doch unterschiedlicher als Tag und Nacht.
Im letzten Jahr konnte man sich an all die lustigen Sprüche, die Verletzungen, die Aufs und Abs erinnern, dieser ständige Wechsel zwischen Genie und Wahnsinn. So war Mehmet.
Doch wie ist, wie war Olli? Was wird bleiben? „Eier“, „Bananen“, „immer weiter“, „Titan“?
Wenn heute in wenigen Stunden die Karriere vom besten deutschen Torhüter der letzten 25 Jahre sich dem Ende neigt, endet endgültig eine Epoche für die Bayern. Vergesst Effe, vergesst Elber, vergesst Liza, Mehmet und Olli prägten das Gesicht der Münchner in den vergangenen 15 Jahren. Während der eine der spielerische, der leichte, das Genie war, von der Talent-Muse mehrfach geküsst, hat der andere, der Kämpfer, der harte Arbeiter wie wohl kein zweiter Spieler bewiesen, was mit Arbeit, mit Einstellung, mit Herz möglich ist.
Da ich keine Lust auf die Diskussion habe, ob Kahn, Scholl oder Kohler jetzt der erfolgreichste Spieler der letzten 20 Jahre war, sage ich einfach: Kahn prägte den deutschen Fußball in den letzten 20 Jahren wie kein Zweiter. Keiner war auf dem Platz und neben dem Platz präsenter oder wichtiger wie Olli.
Sicherlich, seit Lothar Matthäus gab es wohl auch keinen Spieler, der so kritisch betrachtet wurde wie Kahn. Zu Recht, naiv und blind wäre ich, wenn ich sagen würde, er wäre fehlerfrei gewesen. Herzog, Herrlich, Brdaric, Klose, Larsen, Chapuisat, alles Momente, die es einem schwerer machten, ihn zu lieben. Und trotzdem tat ich es. Und tue es.
Weil Olli Bayern lebte. Er war Bayern München und Bayern München war er.
„Weiter, immer weiter“ – ein Mantra, dass er wie kein Zweiter lebte. Wäre an einem Samstag im Mai 2001 nicht Kahn im Tor gestanden, Schalke müsste nicht 50 Jahre Abstinenz von der Meisterschaft feiern. Wäre nicht an einem Mittwoch im Mai 2001 nicht Kahn im Tor gestanden, die Bayern-Fans würden noch nach 32 Jahren auf die Rückkehr an die europäische Spitze warten. Wäre bei einem Turnier im Juni 2002 nicht Kahn im Tor gestanden, es hätte keine „Es gibt nur einen Rudi Völler“-Gesänge auf dem Römer gegeben.
Als Kahn 1994 nach München kam, setze ich sehr viele Hoffnungen in ihn. Ich liebte Jean-Marie Pfaff, von daher hatte es Aumann immer schwer bei mir. Doch, er war ein toller Torwart, aber ich wurde nie warm mit Raimond. Kahns Wechsel nach München bedeutete also für mich, dass der ungeliebte Torwart weg ging. Schon mal ein Pluspunkt. Im ersten Jahr riss ihm direkt das Kreuzband, doch schon nach sehr kurzer Zeit stand er wieder auf dem Platz. Sein Ehrgeiz wurde sein Markenzeichen, sein „Kahnsinn“ sein Merkmal. In den folgenden Jahren entwickelte er sich immer weiter, wurde besser und besser, wichtiger und wichtiger. Als aus Bayern München Hollywood wurde, hielt er sich clever aus den Machtkämpfen zwischen Loddar und Klinsi raus, dank seiner Neutralität wurde er zur wichtigen Kraft im Bayern-Kader. 1998, die WM in Frankreich stand an. Kahn, inzwischen klar die Nummer 1 in der Bundesliga, wurde nicht der TW im WM-Turnier (interessant, dass gerade ein Köpke 1998 von einem Bundestrainer profitierte, der nicht auf aktuelle Tendenzen und Entwicklungen reagierte). Doch sein Ehrgeiz wuchs. Kein Wunder, dass er in der Nach-WM-Saison eine Wahnsinnssaison hinlegte und die Bayern zu Meisterschaft und ins CL- sowie Pokalfinale führte.
Manchester wurde ein Wendepunkt in seinem Leben. Viele Spieler hätten sich von diesem Nackenschlag wohl nicht wieder erholt, er tat es. Noch stärker, noch stabiler, noch psychisch ausgereifter. Ohne Manchester wären die Ereignisse von 2001 nicht möglich gewesen. „Weiter, immer weiter“ wurde geboren.
Die Jahre 2001 und 2002 wurden die besten Jahre in seiner Karriere. Was er in diesem Zeitraum zeigte, war schlichtweg der Wahnsinn. Nie vergesse ich das entscheidende Gruppenspiel gegen Kamerun bei der WM. Schon als alle Spieler des Afrikameisters an Kahn vorbeigingen, war ich mir sicher, dass er ihnen in dem Moment einflösste „Egal was ihr anstellt, was ihr versucht, ihr werdet mir keinen rein machen. Vergesst es!“
Leider endete der Wahnsinn mit „dem Fehler von Yokohama“. Aber das machte ihn menschlich, brachte ihn mir noch mal ein Stück näher.
Nach dieser WM sank sein Stern. Ganz langsam zwar, aber man merkte ihm langsam das Alter an. Nicht, dass er immer noch Spiele allein gewinnen konnte. Nicht, dass sein Ehrgeiz die Bayern zu Erfolgen trieben. Aber häufiger auch verlor er Spiele. 2004 waren es 3 Fehler, die den Bayern 3 Titel kosteten. Aber wer bin ich, dass ich ihm das vorwerfe, ihm, der vorher jahrelang im Grunde fehlerfrei unterwegs war?
Der langsame Niedergang fand seinen Höhepunkt im Zerschlagen seines Traums – die deutsche Mannschaft in die Heim-WM zu führen. Klinsmanns Gründe waren und sind nachvollziehbar, allein der Stil war einem Oliver Kahn gegenüber unwürdig.
Doch, und wieder wuchs mein Respekt, meine Achtung vor diesem Mann, er zog sich nicht zurück. Er stand zu seinem Traum und zeigte eine menschliche Größe, die viele ihm nicht zugetraut haben.
Tja, und jetzt endet es. 14 Jahre Bayern-Geschichte. Der Torwart, der Turm, der Kopf, der Held der erfolgreichsten Bayern-Epoche seit den 70er Jahren.
Achtmal deutscher Meister. Fünfmal DFB-Pokalsieger. Weltpokalsieger. CL-Sieger. UEFA-Pokal-Sieger. Europameister. Vizeweltmeister. Zweimal Welttorhüter. Zweimal Deutschlands Fußballer des Jahres.
Mein Bauch verhindert es, dass ich mich so tief verneigen kann, wie es angebracht wäre. Vor dem Torwart. Vor dem Titan. Vor Oliver Kahn. Ich bin froh, glücklich, zufrieden, in deiner Epoche, in deiner Zeit als Spieler gelebt zu haben. Wenn in vielen Jahren Kinder in der Grundschule mich fragen, wer denn für mich der beste Torwart war, den ich je gesehen habe, wird die Antwort Oliver Kahn sein. Egal, wer kommen mag. Diese, deine Fußstapfen, so vermute ich, wird keiner ausfüllen können. Bei allen Fehlern, auf und neben dem Platz, ich werde deinen Ehrgeiz, deinen Einsatz, dein Auftreten vermissen. Du bist das Beste, was meinem Verein passieren konnte.
Bei Mehmet waren es vier Worte, bei dir sind es mehr:
DER KAHNSINN IST VORBEI...UND ICH WEINE DESWEGEN!